Eine Reise dahin, wo der Kaffee wächst

Eine Reise dahin, wo der Kaffee wächst

Gut möglich, ja wahrscheinlich sogar, dass ein äthiopischer Kaffeebauer gar nicht weiß, wie wunderbar seine Bohnen schmecken. Und das liegt nicht daran, dass wir hier am anderen Ende der Kaffeeverwertungskette den Kaffee so kötslich rösten. Es ist den Äthiopiern schlicht unter Strafe verboten, ihren eigenen Kaffee zu trinken. Schließlich soll das wichtigste Exportgut des ostafrikanischen Landes vor allem eines: für Devisen sorgen. Nein, es war also nicht nur eine romantische Reise zum buchstäblichen Ursprung unseres liebsten Genussmittels, die Philipp Reichel, der im Kaffee 9 selbst röstet und Cory Andreen da in den vergangenen vierzehn Tagen unternommen haben. Oder wie Philipp es sagt: „Korruption, Dealerei – fast ohne Ausnahme haben uns alle Exporteure gesagt, Kaffee, das ist eines der unethischsten Geschäftsfelder überhaupt.“
Und dennoch bezeichnet Philipp es schon jetzt als eine seiner prägendsten Kaffeeerfahrungen. Das Treffen mit Kaffebauern, die kaum mehr bewirtschaften als ihren Hinterhof. Drei, vier Säcke Kaffee im Jahr. Oder mit Getu Bekele , einem lokalen Kaffee-Aktivisten, der sich tagtäglich an diesem Spagat versucht: zwischen dem Markt und der Moral. „Als Kaffeeröster brauchst Du solche Leute vor Ort“, so Philipp Reichel, „es ist eine romantische Utopie zu denken, dass man da runterfliegt und die Kaffeewelt mit seinem naiven guten Willen zu einer besseren macht. In Kenia haben sich Philipp und Cory schließlich drei Tage lang durch hunderte Kaffees gekostet. Und schließlich die ganze Ernte einer kleinen Kooperative gekauft: „Weil es kein Weg sein kann, immer nur die besten Qualitäten zu nehmen und die Leute vor Ort auf dem Rest sitzen zu lassen.“ Alles vom Kaffee gewissermaßen – auch davon erzählt Philipp Reichel
im Rahmen der Kaffeeethos-Reihe , am 22. Februar 2018, 19 Uhr – vor Ort im Kaffee 9.