"Kaffee ist für mich auch irgendwie immer ein bisschen Punkrock"

Vom Surfbrett in die Kaffee-Plantage. Angefangen hat es vor 15 Jahren mit der Liebe zum Kaffee bei Robert Stock, einem der Gründer der Rösterei und des Kaffeeladens Tres Cabezas in Friedrichshain, mit einem Surftrip nach Costa Rica. Von der guten Welle war der Weg in die Plantage dann nicht weit und das Interesse für Kaffee und Produktionsbedingungen entwickelte sich schnell. Bei Tres Cabezas geht es neben der Kirsche und Bohne seit Eröffnung auch immer um die soziale und politische Veränderung, die man im kleinen mit jeder Tasse möglich macht. Anlässlich des bevorstehenden Berlin Coffee Festivals, vom 1.-4. September, haben uns deshalb mit Robert über Specialty Coffee, soziale Verantwortung und Genuss unterhalten.

Ihr bietet hauptsächlich Speciality Coffee an, was ist das genau?
Bei Kaffee gibt es ein Punktesystem, zum Beispiel: Geschmack, Geruch, Balance und dabei beschäftigen wir uns vor allem mit Speciality Coffee, der eben eine bestimmte Punktezahl erreichen muss, um in diese Kategorie zu fallen.

Welche Bedeutung hat Speciality Coffee im gesamten Kaffee Markt?
Das Interesse am Speciality Coffee ist jetzt natürlich auch bei großen Marken angestiegen, weil die gemerkt haben, dass wir in ihrem Marktanteil wildern. Deshalb hat die Specialty Kultur dann auch dazu beigetragen, dass sich auch große Firmen verändern müssen. Die Specialty Kultur ist der größte wachsende Teil im Kaffee Markt, insofern ist das eine kleine Revolution von unten, der sich jetzt auch der Markt anpassen muss.

Was für eine Meinung hast du zum Thema Starbucks und diesen Ketten?
Diese Marken haben uns natürlich irgendwie den Weg geebnet, die haben ja auch mal klein angefangen. Ich hab da auch einfach Respekt als Kaffeeliebhaber und Geschäftsmann. Firmen wie Starbucks investieren auch in einer ganz anderen Skalierung in Farmen und Bauern, weil sie einfach auf Qualität angewiesen sind. Ich glaube beim Kaffee auch einfach sehr an Leben und Leben lassen. Kaffee ist da für mich auch einfach irgendwie Punk Rock, jeder macht sein Ding und macht das gut, aber man sollte aufhören sich gegenseitig fertig zu machen. Jeder der dafür sorgt, dass das Interesse an Kaffee Qualität beim Konsument steigt, ist für uns alle gut. Interessanterweise entwickeln sich diese Ketten auch wieder zurück in Richtung Specialty.

Warum hat der Bio Kaffee manchmal noch so einen schlechten geschmacklichen Ruf?
Der Bio Kaffee, wenn man das historisch betrachtet, hat von Anfang an eine sehr stark politische Komponente gehabt. Da gab es früher klassische Projekt-Kaffees im Bioladen. Der Kaffee war leider qualitativ damals nicht so gut. Das lag daran, dass es landwirtschaftlich gesehen einfach sehr schwierig ist Kaffee Qualität komplett ohne Düngen hinzubekommen. Es hat deshalb einfach länger gedauert, bis man da gute Alternativen gefunden hat. Vor 20 Jahren war das schwieriger. Wir haben uns dafür aber immer weiter interessiert und haben in Costa Rica eine Verbindung, die Bio Kaffee im Spezialitäten Bereich anbietet.

Ihr verkauft auch Kaffee mit Fairtrade Siegel, wie wichtig ist das für euch?
Fair Trade und die gesamte Zertifizierung der Kette ist für uns ein Anfang, das ist nicht das Ende vom Lied. Wir kaufen uns da auch nicht frei mit. Man kann viele Dinge auf eine Kaffee Packung drauf schreiben, dessen muss man sich bewusst sein. Wir haben uns entschieden Marken zu entwicklen, die zertifiziert sind, weil der Konsument einfach schnelle Entscheidungen trifft und Zertifizierung so auch immer wichtiger als Verkaufsargument werden. Echte Nachhaltig fängt für mich aber in dem Moment an, in dem man den Konsumenten kennt.

Was ist aus deiner Sicht gerade der beste Kaffee?
Wir sind nicht immer auf der Suche nach dem besten Kaffee. Ich denke den besten Kaffee gibt es immer nur in einem Moment oder für eine Person. Das hat ja auch viel mit Zeitgeist zu tun. Geschmäcker sind da einfach sehr verschieden und haben sich auch verändert. Unsere Meinung ist, jeder soll in seinem Preissegment den bestmöglichen Kaffee bei uns bekommen.

Kann man mit Kaffee die Welt verändern?
Kaffee ist das meist konsumierte Getränk in Deutschland. Kaffee ist Macht. Der Kaffee über den wir sprechen ist ein Nischenprodukt, aber in dem Moment in dem wir gemeinsam mit dem Produzenten arbeiten verändern wir Dinge im Kleinen. Wir erklären, dass der Konsument mehr an Nachhaltigkeit interessiert ist. Wir sagen ganz klar, man kriegt guten Kaffee nicht mit Umweltzerstörung oder Sklavenarbeit produziert und das wissen die Produzenten und Bauern auch. Man muss sich dabei aufeinander einlassen und dann kann man gemeinsam wachsen. Qualität hat deshalb für mich den größten Einfluss auf fairen Handel.

Ihr verkauft auch Kaffee aus einem Projekt für Orang Utangs, wie wichtig ist euch das politische im Kaffee?
Wir sind der Meinung, dass die Konsumgesellschaft die Welt an die Grenzen bringt. Da steht für uns immer die Frage an erster Stelle: wie gehen wir mit Menschen, Natur und Umwelt um. Wenn wir das mit dem Kaffee verbinden können ist das super. Der Orang Utang Kaffee ist jetzt geschmacklich nicht sehr außergewöhnlich, aber das Projekt ist super und selbst wenn man da kein Geld mit verdient, sondern solchen Kaffees eine Plattform bietet, finden wir das wichtig.

Du bist Surfer, wie hängt die Surf und Kaffee Kultur für dich zusammen?
Wenn man sich das anschaut, haben viele der Kaffeeländer tolle Küsten. Da kommt man dann schon mal schnell vom Brett zur Kaffeetasse und anders rum. Surfen ist für mich ein Ausdruck von Balance und das hat für mich auch viel mit Kaffee zu tun.

Was erstaunt dich am meisten beim Kaffee Konsum?
Ich habe früher viel in Büros gearbeitet und da steht Kaffee natürlich schon mal länger rum und wird bitter. Ganz oft wird der dann einfach weggekippt. Wenn man ein Mal gesehen hat, wie Kaffee gepflückt wird und wie viel Arbeit da drin steckt, dann ist das natürlich ganz schlimm. Ich glaube da müsste man vielen Leuten klarer machen, was sie da gerade eigentlich tun.

Was bedeutet Kaffee für dich?
Ich glaube für mich lässt sich das am besten mit dem Begriff „Pura Vida“ übersetzen, den man jetzt gar nicht so direkt übersetzen kann. Man sagt „Pura Vida“, wenn man eine richtig gute Surfsession hatte und das Leben einfach gerade gut ist.