Auf einen Kaffee mit: Philipp Reichel

Anlässlich des bevorstehenden dritten Ausgabe des Berlin Coffee Festivals, vom 1.–4. September, haben wir mit Philipp Reichel gesprochen, der das Festival vor zwei Jahren mit der Idee, die Entwicklungen in der Kaffeewelt einem breiten Publikum nahezubringen und die Kaffee-Menschen dieser Stadt – und weit darüber hinaus – zusammenzubringen, initiiert hat.

Philipp, was bedeutet Kaffee für dich?
Kaffee ist für mich deshalb so spannend, weil es ein historisches Produkt und Getränk ist, dass es schon so lange gibt und dass schon so viele Generationen durchlebt hat. Ich finde es gut, dass sich so viel junge Menschen damit beschäftigen. Dass die gesamte Szene vorwiegend gepusht wird von vor allem jungen Charakteren, die einfach ein größeres Bild auf das Thema Kaffee werfen, vom Ursprung der Bohne bis zur Tasse in der Hand des Gastes. Dass dadurch eine viel größere Passion für das Produkt entsteht, als nur hinter dem Tresen zu stehen und Latte Art zu machen, stattdessen wirklich Lust zu bekommen alles darüber wissen zu wollen.

Gegeben ist das vielleicht dadurch, dass wir so eine junge Generation sind und deshalb vielleicht auch einen viel lockeren Umgang mit dem Thema haben. Nichtsdestotrotz professionell, aber locker miteinander umgehen können, weil wir wissen, dass wir normale Menschen sind und nicht ein Teil einer Großindustrie, die versucht den Markt an sich zu reißen. Das wir für eine Sache einstehen die mehr ist, als nur Geld zu verdienen, nämlich eine Geschichte zu erzählen. Ein Teil dieser Geschichte ist natürlich unsere eigene, aber natürlich auch die wo der Kaffee herkommt. Welcher Bauer dahinter steht, welcher Rohkaffee das ist, warum wir den Kaffee genauso rösten und genauso zubereiten. Das ist Kaffee für mich.

Warum bist du auf dem Berlin Coffee Festival 2017 ?
Ich bin auf dem Berlin Coffee Festival weil das Festival ein anderes ist als die sonst etablierten Festivals dieser Art auf der Welt, die ich besuchen durfte. Weil es hier darum geht an den Endkonsumenten heranzukommen und ihm begreiflich zu machen was wir hier machen, anstatt sich nur im Kreis zu drehen und untereinander auszutauschen. Stattdessen kann man jeden erreichen. Das spannende ist, dass das Festival in der gesamten Stadt passiert und man deshalb auch die ganze Stadt vibrieren sieht und vibrieren fühlt, weil alle mitmachen. Das ist dieses Gemeinschaftsgefühl “Was ist Kaffee”, dass sich für mich auf das Festival übertragen lässt, weil man merkt wie viele Menschen involviert sind, das die ganze Stadt davon lebt und geprägt wird.

Wo trifft man dich auf dem Festival?
Mich wird man dieses Jahr auf jedenfall viel interviewen sehen und reden hören, weil ich ganz viel auf der politischen Bühne sein werde. Mir ist es ein großes Anliegen mich mit so vielen Menschen wie möglich zum Thema Handel, Fair Triade, Transparenz, Was ist Spezialitätenkaffee, Für was stehen Verbände und was machen wir hier eigentlich, auszutauschen. Man wird mich dort antreffen wo viel diskutiert wird, weil ich Lust darauf habe mir unangenehme Fragen stellen zu lassen und auch gerne kritische Fragen Anderen stellen möchte. Vor allem weil in der Kaffee Szene in Deutschland und auch in der Welt viel Heimlichtuerei gespielt wird, die eigentlich gar nicht nötig ist. Wir profitieren doch alle von einem besseren Austausch weil dieser zu einer besseren Zusammenarbeit führt. Finden wird man mich auf jedenfall am Sonntag in der Markthalle Neun, auf der Bühne, auf der wir im stundentakt verschiedene Themen diskutieren werden.

Wie wird sich die Kaffee-Kultur in den nächsten 10 Jahren entwickeln?
Ich glaube das Kaffee immer spezieller wird. Dass Kaffee auf eine Ebene kommt, die ganz klar kulinarischer wird – sprich vielfältiger. Dass sich Kaffee darauf fokussieren wird, sich in seinen Einzelheiten zu präsentieren. Dass man wie in einem Weinladen, 10 bis 20 verschiedene Sorten anschauen und durchprobieren kann, um seinen ganz persönlichen Geschmack zu finden. Dass jeder Kaffee anders ist und sein kann. Dass den Menschen begreiflich zu machen. Deshalb glaube ich dass wir in den nächsten 10 Jahren im Rahmen der Coffeeshops und auch den Spezialitätenläden dahin kommen werden dass Kaffee als Produkt als viel hochwertigeres Gut gesehen wird als es heute der Fall ist. Als kulinarische Spezialität allein schon deshalb, weil die Ursprungsländer so exotisch sind, dass man viel mehr darüber reden muss wo dieses Produkt eigentlich herkommt. Dass es darum geht zu repräsentieren und zu kommunizieren was Kaffee eigentlich ist. Das kann man meiner Meinung nach gar nicht oft genug tun.

Filter oder Espresso?
Ich bin Filter-Kaffee-Trinker weil, Filter-Kaffee für mich die klassische Zeremonie des Kaffeetrinkens bedeutet. Mit der Zubereitung, sich die Zeit zu nehmen den Kaffee aufzubrühen, sei es in der Maschine oder sei es per Hand. Und weil ich es lieber mag, mich hinzusetzen und eine Tasse Kaffee zu genießen anstatt nur einen Espresso zu schlürfen.